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Förderantrag
ANTRAG AUF GEWÄHRUNG EINER ZUWENDUNG ZUR FÖRDERUNG KRIMINALPRÄVENTIVER PROJEKTE
 
 
Förderschwerpunkt 2015-2016
„Stärkung einer effizienten und wirkungsorientierten Kriminalprävention auf kommunaler Ebene“
 
Projekt
PrimA - Prävention im Nordwesten
Eine Region macht Prävention
 
Laufzeit des Projekts
01.01.2015 bis 31.12.2016
 
Antragsteller
Förderverein Präventionsrat Oldenburg e.V.
 
Projektleitung
Melanie Blinzler, Präventionsrat Oldenburg
Hermann Lampen, Präventionsrat Netzwerk Rheiderland
Ruth Steffens, Kriminalpräventiver Rat Delmenhorst
 
 
Überblick über bisherige Tätigkeiten im Bereich der Prävention und über allgemeine Ziele der Organisation
Im Rahmen des Projekts „Windrad PRO – Strukturen in Bewegung schaffen nutzbare Energie“ wurde 2010/ 2011 ein loser Verbund der kommunalen Präventionsräte im Nordwesten begonnen. Das entstandene Netzwerk trifft sich seit 2010 regelmäßig. Eine erste gemeinsame Aktion war die Präsentation auf dem Deutschen Präventionstag 2011 in Oldenburg, die gemeinsam und in Verbindung mit der Polizeidirektion Oldenburg stattfand. In der Folge hat man sich auf die Realisierung eines alle betreffenden Themas geeinigt und als Instrument zur Umsetzung die Kampagne gewählt. Von Februar 2013 bis Februar 2014 hat das Netzwerk
gemeinsam die Kampagne „INTERNET erfahren statt Gefahren“ durchgeführt. Es arbeitete dabei eng mit der Polizeidirektion Oldenburg zusammen, die sich an der Umsetzung der Kampagne beteiligt hat.
Für die aktiven kommunalen Präventionsräte soll das Netzwerk die Arbeit vor Ort erleichtern, z.T. auch Aktivitäten ermöglichen, indem für (kommunale Grenzen überschreitende) Themen kooperativ und arbeitsteilig vorgegangen wird. Die o.g. Kampagne hat dies in vorbildlicher Weise erreicht: das Material für die Öffentlichkeitsarbeit wurde zentral erstellt und konnte von allen abgerufen werden. Die konkreten Angebote wurden in den Kommunen entwickelt und realisiert.
Hierbei haben viele, durch eine gemeinsame Webseite geförderte, Seitenblicke in die
anderen Kommunen und deren Aktivitäten das Angebot insgesamt erhöht. Das Arbeiten an einem gemeinsamen, alle betreffenden Thema, hat zu starken Synergieeffekten geführt, da Inhalte und Referent/inn/en untereinander ausgetauscht und weiter empfohlen wurden. Recherche-Arbeiten für die Einzelnen haben sich erübrigt oder wurden beschleunigt. Mit der breiten Öffentlichkeitsarbeit konnte die Präsenz der kommunalen Präventionsräte in den Medien erhöht werden.
Ziel ist, diese Möglichkeiten weiterhin zu nutzen und von den jeweiligen Stärken in den einzelnen Präventionsräten in allen Kommunen bzw. kommunalen Präventionsräten zu profitieren. Berücksichtigt werden sollen dabei die strukturell unterschiedlichen Voraussetzungen der Präventionsräte, die sich insbesondere in der Zusammensetzung der Akteure (Ehrenamt/ Hauptamt) ausdrücken.
 
Ort(e) der Projektdurchführung
Kommunen im Nordwesten
 
Zusammenfassende Projektbeschreibung
Kriminalprävention soll kommunal verortet und gesamtgesellschaftlich realisiert werden. Sie ist ein Querschnittsthema, dass in vielfältige Aspekte konkretisiert wird und kontinuierlich auf gesellschaftliche Entwicklungen eingehen muss. Es gilt, den hohen Anteil bürgerschaftlichen Engagements in der kommunalen Prävention zu berücksichtigen.
Vor dem Hintergrund der Aufgaben im Verhältnis zu den Ressourcen bedarf es einer überörtlichen Kooperation, um Weiterentwicklung und Qualität in der Umsetzung der Präventionsthemen und –maßnahmen gewährleisten zu können. Das Voneinander-Lernen ist im Feld der Prävention nicht nur erwünscht, sondern auch unabdingbar. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse (Stichwort Theorie-Praxis-Transfair) oder neue Herausforderungen (Stichwort Internetnutzung) sind deutlich schneller und mit größerer Qualität in den einzelnen Kommunen umsetzbar, wenn sie quasi arbeitsteilig aufgenommen werden und mit Hilfe eines überörtlichen Netzwerks in die kommunalen Präventionsräte (zurück)gegeben werden können.
„Netzwerke bündeln Kompetenzen und Ressourcen, um gemeinsame Ziele zu erreichen, die ein Partner allein nicht erreichen könnte.“ (Prof. Dr. Dr. h.c. Ekkehard Nuissl von Rhein, Netzwerkbildung und Regionalentwicklung, S. 18) Dabei stellt sich ganz praktisch die „Frage, (…) in welcher Weise ein existierendes Netzwerk arbeitsfähig gemacht und erhalten werden kann.“ (ebd., S.7)
Vor dem Hintergrund der Erfahrung mit der Kampagne „INTERNET erfahren statt Gefahren“ soll die Wirksamkeit und Effizienz der kriminalpräventiven Arbeit vor Ort dadurch erhöht werden,
- dass das Instrument der „Kampagne“ erneut genutzt wird, ein gemeinsames Thema zu bearbeiten,
- dass eine koordinierte Öffentlichkeitsarbeit zu höherer Wirksamkeit durch Präsenzerhöhung führt,
- dass gegenseitige Beratung und das Verknüpfen vorhandener Vorerfahrungen bzw.
Wissensbestände ermöglicht wird (Kompetenzverschränkung). „Eine wesentliche Aufgabe von Netzwerken ist es (…), den Transfer von Kenntnissen und Kompetenzen zu ermöglichen und zu verbessern.“ (ebd., S. 19)
- dass die Einrichtung einer Projektstelle das Informationsmanagement im Netzwerk absichert und weiter entwickelt,
- dass überregionales Unterstützungspotential einfacher abrufbar wird durch die koordinierte Ansprache überregional agierender Unternehmen und zivilgesellschaftlicher Gruppen,
- dass die Entwicklung innovativer Ideen erleichtert wird.
 
 
 
 
 
Problembeschreibung
Die Arbeit in Netzwerken ist kein Selbstläufer, insbesondere dann nicht, wenn Ergebnisse mit nachhaltiger Wirkung erreicht werden sollen. Zwei Aspekte sind von besonderer Bedeutung: Informationsmanagement und Verbindlichkeit.
Um den Informationsfluss und damit die Zusammenarbeit in einem nicht-institutionalisierten Netzwerk qualitativ und quantitativ angemessen zu gestalten, braucht es personelle Ressource. Angefangen von der kontinuierlichen Absicherung der Aktualität der Kontaktdaten aller Beteiligten über die Zur-Verfügung-Stellung von Informationen unter Berücksichtigung der Relevanz für die Einzelnen bis hin zur Koordinierung von Erwartungen, Interessen und Beiträgen braucht es ein kompetentes Informationsmanagement. Dies konnte im Rahmen der
genannten Kampagne hinreichend gestaltet werden, wird aber einer Nachhaltigkeit und Weiterentwicklung des angestrebten Netzwerks mit den aktuellen Rahmenbedingungen nicht gerecht.
Über 100 Kontaktdaten und die Kooperation mit der Polizeidirektion Oldenburg erfordern eine stringentere und mit mehr Zeitressource versehene Koordination. Auch müssen die differenten Strukturen in den kommunalen Präventionsräten größere Berücksichtigung finden (Haupt- und Ehrenamt sowie unterschiedlichste Zusammensetzungen in professioneller Hinsicht und hinsichtlich der Entscheidungsebenen). Je besser die unterschiedlichen Voraussetzungen im
Netzwerk berücksichtigt werden, desto wirkungsvoller können die Arbeitsergebnisse ausfallen. Dabei können sich hauptamtliche Kontinuität der einen und flexibles Engagement der anderen gut ergänzen, wenn die Koordination gelingt.
Sehr deutlich ist bereits im bisherigen Verlauf im Netzwerk geworden, dass nicht jede/r alles kann. Die unterschiedlichen Stärken angemessen und Themenspezifisch aufeinander abzustimmen bedarf einer reflektierten und transparenten Koordination, die nicht nebenher bewältigt werden kann. Gleiches gilt für die Zielstrebigkeit des Netzwerkes und die verbindliche Kooperation darin. Sie muss immer wieder „eingehalten“ werden. Auch das bedarf einer Koordination, die Zielstrebigkeit und Verbindlichkeit einfordern, zugleich aber auch ermöglichen, muss. Der eMail-Verteiler an sich reicht nicht aus. Erarbeitet werden muss, „welcher der Akteure Experte (…) für welche Problemstellung (ist)? Wem soll Wissen zur Verfügung gestellt werden, wer soll (…) Wissen einbringen? (…) Wie kann Wissen im Netzwerk generiert werden? Wie muss dieses Wissen aufbereitet und dargestellt werden, damit
es die Adressaten erreicht? (…) Eine wesentliche Aufgabe von Netzwerken ist es (…), den Transfer von Kenntnissen und Kompetenzen zu ermöglichen und zu verbessern. Erfahrungen in Netzwerken zeigen, dass gerade der Austausch personengebundenen Wissens vor Ort für das Gelingen von gemeinsamen Aufgaben und Zielen (…) von Bedeutung ist.“ (Nuissl von Rein 2010, S. 18f)
Für die kommunalen Präventionsräte im Nordwesten stellen die großen Entfernungen im Flächenland Niedersachsen ein Problem dar: sie verhindern häufig die Teilnahme an zentralen Veranstaltungen. Wo mit knappen Ressourcen gearbeitet wird, können mehrstündige Fahrzeiten vieles unmöglich machen. Wenn sich Angebote dezentral realisieren lassen, erhöht dies die Chance der Beteiligung und der Teilhabe an Weiterbildungsangeboten. Zugleich müssen aber auch die Kommunikationsmittel darauf abgestimmt werden. Da sich inzwischen zeigt, dass die
Internet-Medien die Kommunikation zwar beschleunigen, aber nicht in gleichem Maße qualifizieren können, braucht es ein Kommunikationskonzept für das Netzwerk der kommunalen Präventionsräte im Nordwesten. Hierin sollte auch aufgenommen werden, inwieweit eine Kooperationsvereinbarung aller Beteiligten die Verbindlichkeit im Netzwerk erhöhen kann. Auch bei einem Wechsel von AnsprechpartnerInnen muss die weitere Mitwirkung im Netzwerk abgesichert werden.
 
Analyse der Entstehungsbedingungen mit Bezug zu den übergeordneten
Zielstellungen
Die Leistungsfähigkeit und Effizienz des Netzwerkes „Prävention im Nordwesten“ wurde über die gemeinsame Kampagne erprobt und entwickelt. Dabei wurden aber auch Schwachstellen deutlich. So konnten innovative Ideen nicht umgesetzt werden, weil die Ressource für die Informationsweitergabe fehlte. Auch haben sich insbesondere die Laien und bürgerschaftlich Engagierten in den kommunalen Präventionsräten mehr Informationsfluss (und damit eng verbunden stärkere Beteiligungsmöglichkeit) gewünscht sowie die Möglichkeit, auch Veranstaltungen in den Kommunen zu koordinieren, d.h., Angebote gemeinsam zu organisieren.
Um das überörtliche Netzwerk zu verstetigen und damit das Ziel der Wirksamkeit und Effizienz nachhaltig zu gestalten, gilt es, die Netzwerkarbeit zu systematisieren und zu standardisieren.
„So demokratisch und auf Gleichheit gerichtet das Netzwerk auch ist, so sehr bedarf es – dies bestätigen alle empirischen Untersuchungen (…) – eines kontinuierlich arbeitenden, professionellen und funktionierenden Netzwerkmanagements.“ (Nuissl von Rein 2010, S. 91) Da, wo das Netzwerkmanagement fehlt, schlagen die Nachteile der prinzipiell offenen Netzwerke durch: bei freiwilliger Teilnahme lassen sich Rechte und Pflichten nur schwer ableiten. Änderungen in der Zusammensetzung (durch personelle Wechsel und fehlende Kontinuität im bürgerschaftlichen Engagement) können sich auf Arbeitsergebnisse auswirken. (vgl. ebd., S. 19)
 
Festlegung von Präventionszielen, Projektzielen und Zielgruppen des Projekts
 
Präventionsziele
- Verbesserung der Wirksamkeit und Effizienz der kriminalpräventiven Arbeit vor Ort
- Förderung der überörtlichen Vernetzung von kriminalpräventiven Akteuren in den Kommunen
 
Projektziele
- Qualifizierung und Ausbau des Netzwerks „Prävention im Nordwesten“ durch Einrichtung eines Netzwerkmanagements
- Steigerung der Qualität der kommunalen Präventionsarbeit durch Koordination vorhandener Wissensbestände und Kompetenzen und durch Erleichterung des Theorie-Praxis-Transfers
- Verbesserung der Öffentlichkeitsarbeit durch arbeitsteilige Erarbeitung von Materialien, die allen zur Verfügung gestellt werden
- Erweiterung des Unterstützungspotentials für die kommunale Prävention durch Ansprache überregionaler Akteure
- Entwicklung innovativer Ideen durch Kompetenzverschränkung
 
Zielgruppen
- kommunale Präventionsräte im Nordwesten, Entscheidungsträger in Kommunen und überregionale Akteure
- zum Kampagnen-Thema „Zivilcourage im Internet“ werden weitere Zielgruppen in den Kommunen angesprochen
 
 
Festlegung von Maßnahmen für die Zielerreichung
- Die halbjährlichen Treffen des Netzwerks „Kommunale Präventionsräte im Nordwesten“ werden durch eine Projektgruppe ergänzt.
- Die Projektgruppe erarbeitet Ideen und Materialien zum Kampagnen-Thema „Zivilcourage im Internet“.
- Für das Netzwerkmanagement wird eine Projektstelle eingerichtet zur Koordination, für Informationsmanagement, Unterstützung der Projektgruppe, Ansprache überregionaler Akteure etc.
- Zum Thema der gemeinsamen Kampagne werden Fortbildungen für die Fachkräfte und die bürgerschaftlich Engagierten der kommunalen Präventionsräte angeboten. Für das erste Jahr ist eine Fortbildung mit smiley e.V. zu aktuellen Aspekten der Internet-Nutzung vorgesehen sowie eine Fortbildung zu Zivilcourage (evtl. mit Prof. em. Dr. Gerd Meyer). Für das zweite Jahr werden die Fortbildungen von der Projektgruppe (dem Prozess angepasst) festgelegt.
- Die bereits vorhandene gemeinsame Webseite soll weiter genutzt und entwickelt werden. Denkbar ist die Einrichtung weiterer Tools, soweit sie dem Netzwerk dienen.
- Eine Datenbank für die kommunalen Präventionsräte im Nordwesten soll eingerichtet werden (mit AnsprechpartnerInnen, Kontaktdaten, Organisationsform und Arbeitsansätzen, Themenschwerpunkten)
 
Projektkonzeption und –durchführung
Januar/ Februar 2015
- Einrichtung der Projektstelle Netzwerkmanagement
- Einrichtung der Projektgruppe des Netzwerks zum Thema „Zivilcourage und Internet“ (Festlegung der Aspekte, die fokussiert werden (z.B.: Zivilcourage (Zc) und Online-Spiele/ Zc und Soziale Netzwerke/Zc auf youtube oder andere)
März/ April/ Mai 2015
- Fortbildung für hauptamtliche und ehrenamtliche Kräfte der kommunalen Prävention, evtl. auch der Polizei; Beginn der Bestandserhebung: wer bringt welche Kompetenzen zum Thema ein?
April/ Mai 2015
- Abstimmung der bis hier erarbeiteten Ergebnisse im Rahmen des Kooperationstreffens der kommunalen Präventionsräte
bis Juni 2015
- Gespräch mit dem Landesbeauftragten für Regionalentwicklung Weser-Ems, Ausloten von Unterstützungsmöglichkeiten für das regionale Netzwerk „Prävention im Nordwesten“
September/ Oktober 2015
- gegenseitige Beratung im Rahmen des Kooperationstreffens der kommunalen Präventionsräte zur Umsetzung des Themas vor Ort, Klärung offener Fragen, Verknüpfung mit vorhandenen Aktivitäten
Herbst 2015
- weitere Fortbildung für haupt- und ehrenamtliche Akteure der kommunalen Präventionsräte
bis Dezember 2015
- Gewinnung von Unterstützung durch überregionale Akteure
- Erstellung des Kampagnenmaterials
2016
- Maßnahmen in den Präventionsräten zur Umsetzung des Themas
- zwei Fortbildungen, voraussichtl. im Frühjahr und Herbst
- Fortsetzung der Arbeit der Projektgruppe, der Arbeit in den großen Präventionsräte-Treffen
- September/ Oktober 2016 Auswertung der bisherigen Maßnahmen/ Ergebnisse, Reflexion der Auswirkungen des Netzwerks für die Prävention vor Ort.